2013 in Liedern

Ich habe mich entschlossen, meine Lieder des Jahres 2013 aufzuschreiben. Es sind 19, keine ganzen 20. Reihung gibt es auch keine. Ätsch.

Eins vorweg: Falls irgendjemand Panikattacken oder allergische Reaktionen im Angesicht von Größe, Schönheit und Klasse aufweist, so soll er die folgenden Links bitte dringend meiden!

So und jetzt geht’s los hier:

James Blake – Retrograde
Songwriter-Genie, Pop-Hoffnung, Musik-Wunderkind: James Blake haben sie einen richtig fetten Rucksack umgehängt. Und der trägt ihn nicht nur, sondern hebt ihn sogar noch an. Rauf in Höhen, wo solche Lieder wohnen.

Parquet Courts – Stoned and Starving
Eine rotzfreche Nummer ist das. Dieser schmutzige Garagensound mit den unverschämten Gitarrensoli und der ständigen ‚Kill Your Idols‘-Attitüde. Ein Lied, das einem geholfen hat, viel konzentrierter auf 2013 zu scheißen.

Editors – The Phone Book
Ja, es ist wieder das klassische Editors-Album geworden. Editors-Songs im Editors-Gewand – no risk, no surprises. Doch solange Nummern wie diese rauskommen, mögen sie bitte nie damit aufhören, Editors zu sein.

Disclosure – When a Fire Starts to Burn
Das ist er, der Ohrwurm des Jahres. Schmaler, sauberer Sond und eine Hookline, die einem derart ins Gesicht fährt, dass einem der Geburtstag seiner Mutter wieder einfällt. Nicht genialisch, sondern genial.

John Grant – Glacier
John Grant ist schon ein ganz spezieller Vogel. Über epische Kompositionen legt er diese betont unkonventionellen und überraschend trivialen Texte. Einer der ganz großen Songschreiber dieser Tage. Wer’s nicht glaubt, bitte den Gletscher anhören.

Daft Punk – Get Lucky
„In a fucking hour“ könne er dieses Lied schreiben, meint der schwachsinnige Liam Gallagher. Das sagt allerdings mehr über dessen koksgetriebene Hybris als über dieses Juwel von einem Vierminüter. Get Lucky = Pop Perfect.

Beck – Don’t Act Like Your Heart Isn’t Hard
Dem Beck hat schon wieder wer weh getan. So arm. Im Stile der alten Pop-Ballade leidet er vor sich hin – nur ohne Pomp, immer lieb und bescheiden. Am Ende zugegeben kein großes Lied. Dafür ein Kleines.

Babyshambles – Farmer’s Daughter
Was der dauerdichte Pete Doherty hier gemacht hat, dem wird das Wort ‚brillant‘ noch nicht gerecht. Eine echte, große Britpop-Hymne, die einem Bilder von Oasis 2000 im vollen Wembley-Stadion in das Zwischenhirn zaubert.

Lorde – Royals
Die kleine Lorde zog aus um die Welt zu erobern. 200 Millionen Youtube-Aufrufe und eines der schönsten Momente des Pop-Jahres später sitzt sie auf dem Thron. „And baby I’ll rule, I’ll rule, I’ll rule, I’ll rule.“

The National – Demons
Ich will’s ja gar nicht wissen, was die Typen immer so traurig macht. Scheißegal ist mir das. Wenn sie weiter das Dunkle und Elegische so schön in Musik übersetzen, bitte immer weiter traurig sein.

Arcade Fire – Reflektor
Arcade Fire sind an einer Stufe des Songschreibens angekommen, die den Hörer nicht mehr abholen will. Man muss ihnen entgegen gehen, ein bisschen die Hand reichen. Dann aber ist es hinreißend bezaubernd, Reflektor 1986 und 2021 in einem Lied.

Vampire Weekend – Hannah Hunt
Der beste Song eines formidablen Albums. Und was die da ab 2:40 Min mit mir machen, könnte gegen die Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes verstoßen. Darüber wird zu reden sein.

Kodaline – High Hopes
Was ein schönes Lied. Nicht zu wenig Pathos freilich – doch kratzt es penetrant hart an der alten Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Perfektion. Geschliffen, expressiv, stark. So kann nur Pop.

Kanye West – Black Skinhead
Ist er jetzt schon völlig durchgedreht? Jetzt hat er auch noch Hip Hop dabei. Und dann auch noch den Angeber Kanye. Na gut, so zeigt mir einen, der Hip Hop heute glänzender, schärfer, ja geiler umsetzt. So long Kanye.

Nick Cave – Jubilee Street
Der alte Krähenkönig liefert wieder! Und zwar wie gewohnt grandiose Arrangements und Texte, die in Literatur-Vorlesungen diskutiert werden. Eine Nichtbeachtung in einer 2013-Bestenliste käme einem Ansuchen um Besachwalterung gleich.

Austra – Home
Katie Stelmanis hat eine dieser Stimmen, die Kriege beenden oder entflammen können. „You know that it hurts me when…“, wer einmal diese Zeile gehört, der hat sie ein Leben lang. Ob man will oder nicht: Wo sie singt, ist sonst nichts.

Bill Callahan – The Sing
„Giving praise in a quiet way“, ja das tut er, der große Meister des kleinen Lieds. Tatsächlich ging man sehr gerne wieder bei ihm zur Messe – denn so unaufdringlich, leise und nobel konnte auch heuer wieder keiner.

Hurts – Ohne Dich
Die beiden Synthie-Brüder von Hurts covern die schon eher schlimme Indie-Schnulze von Selig. Wirklich keine schöne Vorstellung. Doch was die beiden Frisuren hier auf Platte gezaubert haben ist wunderbarer Bombast.

Jim James – A New Life
Jim James ist einer von den Guten. Ob mit seinen langhaarigen Freunden oder eben allein: Auf den Mann ist interdisziplinär Verlass. So war’s auch heuer. Ein neues Leben wünscht er sich, sagt er. Bitte nicht, sage ich.

So. Das war’s. Mein 2013 in Liedern. Ich hoffe, euch hat’s gefallen. Wenn nicht, ist’s mir auch einigermaßen egal.

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